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Experte: Dr. med. Dieter Pöhlau

Dr. med. Dieter Pöhlau, Ärztlicher Geschäftsführer, Chefarzt Neurologie a.D. Kamillus Klinik Asbach gGmbh, Stellvertretender Bundesvorsitzender der DMSG, Stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender des ärztlichen Beirates der DMSG in Rheinland-Pfalz
Vitamin D spielt hat einen gewissen Einfluss auf Entstehung und Verlauf einer MS. Es gibt weiterhin Hinweise darauf, dass Vit. D bei der Reparatur der Nervenscheiden nach einer Attacke des Immunsystems eine Rolle spielt. In verschiedenen, allerdings nicht allen Studien zeigte sich ein Nutzen durch eine Vitamin D Supplementation. Da die Studienlage nicht eindeutig ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten in aller Regel nicht, leider auch nicht für die Messung der Vit. D Spiegel. Ein Vitamin D Mangel muss vermieden werden. Die meisten Neurologen halten eine Einnahme von Vit D von ca. 20.000 i.E. pro Woche für sinnvoll. Sehr hohe Dosen von Vitamin D können Schaden anrichten und sollten vermieden werden.
Es gibt eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln. Von Vitaminen, über verschiedene Mineralien bis zu Eiweißen, Enzymen, Ballaststoffen, lebenden Mikroorganismen ("Probiotika") oder Stoffe, die das Wachstum "guter" Bakterien fördern sollen ("Präbiotika"). Auch Fettsäuren und Enzyme werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Darüber hinaus werden frei verkäufliche, oft pflanzliche Wirkstoffe angeboten. Z.T. sind das pflanzliche Medikamente. Da gilt ein Satz der Arzneimittellehre: Alles, was eine Hauptwirkung hat, hat auch Nebenwirkungen. D.h. von einer hochdosierten Einnahme von Wirkmolekülen (auch von Vitaminen) ist abzuraten. Die bekannten und angegebenen täglichen Höchstdosen sollten nicht überschritten werden. Auch die Überdosierung von Vitaminen kann zu Schäden führen. Wenn verschiedene Nahrungsergänzungsmittel genommen werden, muss darauf geachtet werden, dass die Höchstdosen eingehalten werden.
Im Gegensatz zu Arzneimitteln, die im Rahmen des Zulassungsverfahrens in großen Studien sehr genau auf Wirksamkeit und auch auf Nebenwirkungen untersucht werden, wird bei Nahrungsergänzungsmitteln oft eine Wirksamkeit behauptet, die nicht bewiesen ist.
Die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel wird erfreulicherweise EU-weit durch die sog. Claims-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) eingeschränkt, die fordert, dass gesundheitsbezogene Angaben wissenschaftlich belegt sein und von der Europäischen Kommission in einer Liste zugelassener Angaben geführt werden müssen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 30.04.2025 hat diese Regelung verschärft. Allerdings finden sich gerade im Internet immer noch Behauptungen über Wirksamkeiten, die nicht bewiesen sind.
Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung kann viel erreicht werden; also: Viel Obst und Gemüse (d.h. viele Ballaststoffe), wenig tierische Fette, wenig Salz, wenig Fastfood. Wenn man dann noch nicht raucht, nicht übergewichtig ist, Sport treibt und lernt, mit Stress umzugehen und trotz MS gut zu leben, ist der zusätzliche Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln wahrscheinlich gering. Antibiotikatherapien sollten nur dann erfolgen, wenn diese wirklich nötig sind.
Die zusätzliche Einnahme von Vitamin D (z.B. 20.000 i.E. Woche) ist zu empfehlen.
Für eine kurzkettige Fettsäure, die Propionsäure, konnte ein Nutzen in relevanten Laborparametern gezeigt werden. Propionsäure wird auch von Darmbakterien erzeugt, vor allem, wenn ausreichend Ballaststoffe in der Nahrung sind. Die vermehrte Zufuhr von Ballaststoffen ist generell sinnvoll, unabhängig davon, ob man eine MS hat oder nicht.
Dass eine MS leitliniengerecht mit einer Immuntherapie behandelt werden sollte, wenn eine solche in Frage kommt, versteht sich von selbst. Im Zweifelsfall sollte man sich mit seinem Neurologen oder MS-Zentrum beraten, welche Nahrungsergänzungsmittel evtl. sinnvoll sein können und in welchen Dosen.
Viele MS Betroffene arbeiten, auch in sehr verantwortungsvollen Berufen wie z.B. als Lehrkräfte. Es kommt darauf an, die richtige Balance zwischen Arbeit und Erholung zu finden, eine gute Pausenplanung zu erlernen. Eine schnellere Ermüdbarkeit ("Fatigue") ist leider ein sehr häufiges Symptom einer MS, auf das Rücksicht genommen werden muss. Da die Fatigue ein "unsichtbares" Symptom der MS ist, wird sie oft von Gesunden nicht adäquat bewertet, da hilft evtl. Aufklärung der Kolleginnen und Kollegen. Wenn man durch die MS weniger Energie zu Verfügung hat und schneller ermüdet ist, wird eine Einteilung der Energie und eine gute Pausenplanung wichtig.
Auch Bewegung, Entspannung sind wichtige Teile einer "ganzheitlichen" Behandlung der MS, neben einer für den einzelnen Patienten passenden Immuntherapie. Evtl. kann man sich von Zusatzaufgaben wie Pausenaufsicht befreien lassen, der Stundenplan sollte an die Bedürfnisse der Lehrerin angepasst werden, so gut es geht.
Die Kliniken und Praxen, die das Gütesiegel der DMSG führen, haben ausreichend Erfahrung mit MS, bilden sich entsprechend weiter und verpflichten sich zu einer leitliniengerechten Behandlung von MS Betroffenen. Diese Zentren dokumentieren ihre Patienten und nehmen so an einer Qualitätssicherung der DMSG teil. Es gibt selbstverständlich auch "gute" MS-Zentren, die (noch?) nicht das Gütesiegel der DMSG führen. Oft kann eine lokale Selbsthilfegruppe oder der entsprechende Landesverband der DMSG diejenigen Ärzte und Zentren nennen, die Erfahrung in der Therapie von MS Betroffenen haben.
Die Prognose für MS Betroffene hat sich in den letzten drei Jahrzehnten dank besserer Therapien sehr deutlich verbessert. Auch wenn die MS noch nicht heilbar ist, normalisiert sich die Lebenserwartung und ein Fortschreiten der Behinderung kann in den allermeisten Fällen deutlich gebremst werden, d.h. nur eine Minderheit der MS Betroffenen wird einen Rollstuhl benötigen. Bewegung, Entspannung, eine gute Ernährung nutzen bei MS. Wenn Symptome auftreten (Gangstörungen, Blasenstörungen, Schlafstörungen etc.) sollten diese behandelt werden, es gibt verschiedene nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapien der MS, die eingesetzt werden können.
Trotz MS kann man ein gutes, erfülltes Leben führen. Die Lebensqualität hängt allerdings sehr von seelischen Faktoren ab und Angst kann diese deutlich vermindern. Es ist wichtig, zu lernen, die MS zu akzeptieren, mit den Gefühlen umzugehen. Evtl. ist dazu professionelle Hilfe nötig.
Zunächst geht es darum, durch geeignete Medikamente Schübe zu verhindern und ein Fortschreiten der Behinderung zu bremsen, so gut es geht. Wenn Symptome auftreten (z.B. Blasenstörungen oder Spastik oder andere Symptome), dann sollten diese entsprechend durch medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien (z.B. Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprachtherapie, neuropsychologische Therapie) behandelt werden. Für die Betroffenen ist es wichtig, so gut es geht seelisch mit der Erkrankung klarzukommen, sich einerseits nicht unterkriegen zu lassen, andererseits Einschränkungen zu akzeptieren, die durch die MS ausgelöst werden. Evtl. ist dazu professionelle Hilfe nötig. Die Lebensqualität bei MS hängt sehr von seelischen Faktoren ab.
Fatigue ist ein sog. unsichtbares Symptom der MS, das häufig auftritt. Die medikamentöse Therapie ist nicht ganz überzeugend. Medikamente wie Amantadin oder Modafinil können eingesetzt werden, werden aber von den Kassen oft nicht übernommen. Es ist wichtig, zu lernen, mit seiner Energie hauszuhalten, Pausen zu planen, evtl. Arbeiten delegieren. Sport, körperliche Aktivität und Krankengymnastik kann die Fatigue bessern.
Ausreichend Schlaf ist wichtig, wenn es Hinweise auf schlafbezogenen Atemstörungen oder schlafbezogene Bewegungsstörungen gibt, kann evtl. eine Untersuchung in einem neurologischen Schlaflabor sinnvoll sein.
Hitze kann zu einer Verschlechterung von Symptomen führen (sog. Uthoff-Phänomen), dann kann Kühlung (Kühlwesten, Klimatisierung) helfen. Die Behandlung mit dem Kalium-Kanalblocker 4-Aminopyridin kann die Gangausdauer und damit die Gehstrecke verbessern.
Eigentlich sollte eine einmalige Bescheinigung reichen, sogar die pure Diagnose einer sicheren Multiplen Sklerose zeigt, dass eine chronische Erkrankung vorliegt.
Die Basis der Therapie ist Krankengymnastik, auch Ausdauertraining. Dabei sollte man sich von einen MS-erfahrenen Physiotherapeuten auch Übungen zeigen lassen, die man zuhause durchführen kann.
Mit einer Immuntherapie kann das Fortschreiten der MS meist gebremst werden. Wenn die eingesetzte Immuntherapie nicht ausreicht, sollte mit dem behandelnden Neurologen darüber gesprochen werden, ob eine Änderung der Immuntherapie sinnvoll ist. Eine Behandlung mit dem Medikament Fampridin (Wirkstoff 4-Aminopyridin), die kann evtl. Gehstrecke und Gangausdauer verbessern.
Schmerzen können viele Ursachen haben, auch solche, die mit einer MS nichts zu tun haben. Da ist der Neurologe gefordert, die Ursache zu finden, wahrscheinlich wird gemessen, wie gut die Nerven Impulse leiten können. Falls es eine andere Ursache für die Nervenschmerzen gibt, muss diese behandelt werden. Es verschiedene Medikamente, die gegen "Nervenschmerzen" helfen, wichtig ist aber, auch andere Ursachen als eine MS auszuschließen.
Man kann auch mit MS ein gutes, erfülltes Leben führen, auch wenn es oft nicht einfach ist. Dazu ist eine gute Therapie der Erkrankung und der Symptome wichtig. Um gut trotz MS zu leben, ist es nötig, die Erkrankung zu akzeptieren, trotzdem Freundschaften und Beziehungen zu pflegen, und Aktivitäten durchzuführen, die Freude machen, auch wenn es schwieriger ist als vor der Erkrankung.
Schwindel ist ein unspezifisches Symptom, deshalb sollte man darüber mit seinem Neurologen sprechen.
Viele Sanitätshäuser bieten diesbezüglich Hilfsmittel an.
Zurzeit kann noch keine klare Aussage gemacht werden, es laufen Studien, die zeigen werden, ob und wie und wem eine solche Therapie nutzt, die im Wesentlichen auf Stimulation von vielen Punkten mittels schwacher elektrischer Impulse beruht.
Viele MS Patienten können ohne Anpassungen des Fahrzeuges Auto fahren. Wenn nötig, können spezialisierte Firmen aber auch Autos so umbauen, dass diese auch trotz Behinderung im Straßenverkehrt sicher bewegt werden können, so z.B. durch den Einbau von Handsteuerungen, wenn die Kraft und Koordination der Beine nicht mehr ausreichen sollte.
Zentren, die das Gütesiegel der DMSG führen, müssen zeigen, dass sie in ein Versorgungsnetz eingebunden sind, das Ärzte, Therapeuten und Krankenhäuser umfasst. Es ist aber noch viel zu tun. Die elektronische Patientenakte kann dazu führen, dass zumindest alle Ärzte über die Befunde von Vorbehandlern und von anderen Ärzten informiert sind.
Am besten ist eine "mediterrane Kost" mit viel Ballaststoffen, viel Obst und Gemüse, wenig Salz, wenig tierischen Produkten und vor allem wenig tierischen Fetten und möglichst wenig Fast-Food.
Viele Aspekte wurden oben schon angesprochen. Man kann lernen, sich durch die MS möglichst wenig an Lebensfreude und Lebensqualität wegnehmen zu lassen und trotzdem Aktivitäten planen und unternehmen, Freundschaften pflegen, auch wenn manches schwerer wird und wir von einer barrierefreien Welt noch weit entfernt sind.
Experte: Prof. Dr. Ingo Kleiter

Prof. Dr. Ingo Kleiter, Facharzt für Neurologie, Medizinischer und Ärztlicher Leiter Behandlungszentrum Kempfenhausen, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat DMSG-Bundesverband
Die beste Versorgung erhalten Sie, wenn Sie sich an eine neurologische Fachärztin oder einen Facharzt mit MS-Erfahrung wenden. Besonders hilfreich sind MS-Schwerpunktpraxen, MS-Zentren oder spezialisierte Fachkliniken (z.B. Sauerlandklinik, Marianne-Strauß-Klinik), da dort spezialisierte Teams arbeiten. Zusätzlich können Patientenorganisationen (z. B. DMSG) bei der Suche unterstützen und weitere Hilfen anbieten.
Mit MS ist es gut möglich, die Schule zu schaffen. Wichtig sind offene Gespräche mit Lehrern über mögliche Einschränkungen, damit Unterstützung organisiert werden kann (z. B. Nachteilsausgleich bei Prüfungen). Regelmäßige Pausen, ein guter Umgang mit Stress und Fatigue sowie ärztliche Begleitung helfen zusätzlich. Viele junge Menschen mit MS schließen Schule und Ausbildung erfolgreich ab.
Viele Betroffene berichten, dass ihnen eine aktive Tagesgestaltung, soziale Kontakte und regelmäßige Bewegung helfen, Lebensfreude zu bewahren. Wichtig ist auch, sich bewusst schöne Momente zu schaffen und auf die eigenen Stärken zu schauen. Unterstützung durch Familie, Freunde, Selbsthilfegruppen oder eine psychologische Begleitung kann zusätzlich helfen, zuversichtlich zu bleiben.
Eine MS-Diagnose bedeutet nicht, dass Ihr Leben stillsteht. Viele Menschen mit MS führen über Jahrzehnte ein aktives, erfülltes Leben. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Betreuung, eine passende Therapie und ein gesunder Lebensstil (Bewegung, ausgewogene Ernährung, Stressreduktion). Mit der richtigen Behandlung kann der Verlauf heute meist deutlich gebremst werden.
Bei der primär progredienten MS (PPMS) gibt es inzwischen mit Ocrelizumab eine zugelassene Therapie. Ocrelizumab ist ein Antikörper, der das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann. Zusätzlich sind Physiotherapie, Ergotherapie und regelmäßige Bewegung sehr wichtig, um die Motorik möglichst lange zu erhalten. Es lohnt sich, mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt über die passende Behandlung und Unterstützung zu sprechen.
Fatigue ist ein sehr häufiges Symptom bei MS. Es muss von Depression unterschieden werden. Helfen können regelmäßige Bewegung, gute Tagesplanung mit Pausen und ausreichend Schlaf. Medikamente wie Amantadin oder Modafinil werden manchmal eingesetzt, wirken aber nicht bei allen gleich gut.
Eine MS-Diagnose bedeutet nicht automatisch eine Behinderung. Viele Betroffene sind über Jahre körperlich aktiv und können Sportarten wie Bergsteigen oder Laufsport weiter ausüben. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören, Überlastung und große Hitze zu vermeiden und ggf. das Training an die aktuelle Leistungsfähigkeit anzupassen. Bewegung ist sogar förderlich für den Verlauf der Erkrankung.
Ocrelizumab kann das Immunsystem beeinflussen, weshalb Infekte etwas häufiger auftreten können. Wichtig sind regelmäßige Impfungen (nach Absprache mit der Ärztin/dem Arzt), Einhaltung von Hygieneregeln und frühzeitige Behandlung von Infektionen. Bei wiederholten oder schweren Infekten sollte unbedingt der behandelnde Neurologe informiert werden, um die Therapie oder Zusatzmaßnahmen wie eine Immunglobulingabe zu prüfen.
Für sicheres Radfahren mit MS helfen individuell angepasste Trainingspläne, die von Physiotherapeuten oder Reha-Sportgruppen erstellt werden. Spezialisierte MS-Zentren, Selbsthilfegruppen oder die DMSG bieten teils auch konkrete Programme oder Anleitung für Ausdauertraining wie Radfahren an. Wichtig ist, langsam aufzubauen, Pausen einzuplanen und Stürze zu vermeiden.
Elektrostimulationsanzüge können Muskeln zusätzlich aktivieren und das Training unterstützen, besonders wenn Bewegung allein schwerfällt. Sie machen aber nicht „wieder fit“ von allein, sondern wirken am besten in Kombination mit regelmäßigem Kraft- und Ausdauertraining unter fachlicher Anleitung. Ergebnisse sind individuell unterschiedlich und für MS gibt es bisher keine positiven Studienergebnisse.
Nervenschmerzen bei MS können sehr belastend sein. Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder manche Antidepressiva werden häufig eingesetzt. Zusätzlich helfen physikalische Maßnahmen wie Wärme oder Kälte, Physiotherapie, Entspannungstechniken und Stressreduktion. Wichtig ist, dass die Behandlung individuell mit der Ärztin/dem Arzt abgestimmt wird.
Der Verlauf von MS ist sehr individuell. Manche Menschen haben nur wenige Schübe über viele Jahre, andere entwickeln langsam Einschränkungen. Mit modernen Therapien lässt sich der Krankheitsverlauf heute oft deutlich verlangsamen, sodass viele Betroffene lange aktiv und selbstständig bleiben.
Wenn das Gehen schwerer fällt, können das Medikament Fampridin, Physiotherapie, Gehtraining und gezieltes Muskeltraining helfen, Kraft und Balance zu erhalten. Hilfsmittel wie Gehstöcke, Rollatoren oder Orthesen können den Alltag erleichtern. Auch regelmäßige Pausen, angepasste Schuhe und Bodenbeläge sowie eine ärztliche Anpassung der MS-Therapie können unterstützen.
Viele Menschen lernen mit der Zeit, besser mit neuen oder wiederkehrenden Symptomen umzugehen. Anfangs lösen Veränderungen oft Sorgen oder Unruhe aus, aber mit Erfahrung, Unterstützung und Wissen über die Krankheit kann sich eine gewisse Sicherheit und Gelassenheit einstellen. Psychologische Begleitung oder Selbsthilfegruppen helfen, den Umgang mit Unsicherheit zu üben.
Die Krankenkassen brauchen einen formellen Nachweis über eine chronische Erkrankung, um bestimmte Leistungen oder Vergünstigungen bewilligen zu können, z. B. Reha, Hilfsmittel oder Zuzahlungen für chronische Erkrankte. Die MS-Diagnose allein reicht dafür nicht; es wird ein ärztliches Attest oder ein Befundbericht verlangt, um den Status offiziell zu bestätigen.
Bei MS können kognitive Veränderungen auftreten, etwa Schwierigkeiten beim Konzentrieren, Planen oder Erinnern. Nicht alle Betroffenen sind gleich stark betroffen, und die Veränderungen entwickeln sich oft langsam. Frühzeitiges Training der Aufmerksamkeit, Gedächtnisübungen und gezielte Unterstützung im Alltag können helfen, Einschränkungen auszugleichen oder vorzubeugen, ebenso bestimmte Immuntherapien.
Moderne MS-Immuntherapien können Schübe verhindern, Entzündungen bremsen und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. In Kombination mit Physiotherapie, Bewegung, Hilfsmitteln und Selbstmanagement lässt sich das Alltagsleben oft weitgehend normal gestalten. Viele Menschen mit MS bleiben lange aktiv, berufstätig und selbstständig.
Experte: Prof. Dr. med. Ralf Gold

Prof. Dr. med. Ralf Gold, Vorsitzender im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V., Direktor der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josefs-Hospital
Mit der erwarteten Neuzulassung von Tolebrutinib um die Jahreswende kämen Sie dafür gut infrage
Mit der erwarteten Neuzulassung von Tolebrutinib um die Jahreswende kämen Sie dafür gut infrage
Es kommt immer darauf an, dass man kein Fieber hat oder andere Krankheiten des Körpers die akute Verschlechterung auslösen. Bei mehr als 24 Stunden Dauer der Symptome sollte man zunächst den zuständigen Hausarzt aufsuchen, um dann weitere Schritte einzuleiten.
Hier gibt es leider keine einfache Therapie. Zunächst lohnt es sich, zu überprüfen, ob die Immuntherapie der Multiplen Sklerose ausreichend stark ist. Regelmäßige körperliche Betätigung und leichter Sport sind oft kräftigend. Manche MS Patienten reagieren gut auf Amantadin.
Momentan sind in diesen Phasen am stärksten, die so genannten Anti CD 20 Medikamente zu nennen, die per Infusion oder Injektion unter die Haut gegeben werden
Wenn die Diagnose MS noch gar nicht gestellt wurde, muss man eine genaue Untersuchung, insbesondere des Rückenmarks und der peripheren Nerven vornehmen, am besten beim Neurologen
Nach den neuesten Leitlinien ist eine globale Punktion nicht mehr zwingend, aber im deutschen Bereich empfehlen wir sie im Allgemeinen.
Das Erkrankung Risiko in der Familie, wenn einer der Elternteile erkrankt ist, beträgt Gott sei Dank nur drei Prozent. Es gibt selten MS Fälle über mehrere Generationen.
Ja, hier gibt es auch Firmen, die neue Medikamente gegen Spastik entwickeln.
Bei sachgerechter Einnahme und regelmäßiger Kontrolle des Blutes sind die Medikamente sehr gut verträglich
Wenn man eine so genannte autologe Stammzelltherapie durchführen möchte, ist die Wirkung am besten in den frühen Phasen der MS.
Wir werden durch Verbesserung der Therapie in den nächsten fünf Jahren bei vielen Patienten, eine Remission, aber noch keine Heilung erzielen.
In der so genannten Pipeline sind Impfstoffe gegen B. TK, von denen wahrscheinlich zwei bis zum Jahr 2026 zur Zulassung kommen. B.TK bedeutet Bruton Tyrosin Kinase – Hemmung (BTK-Inhibition)
Insbesondere der Zusammenhang zwischen Eppstein- Barr- Virus -Erkrankung und der späteren Entwicklung einer MS liegt im Zentrum vieler Forschungsaktivitäten.
Daneben versucht man, mit Mitteln der Gentherapie eine bessere Behandlung erzielen zu können
Experte: Prof. Dr. med. Judith Haas

Prof. Dr. med. Judith Haas, Fachärztin für Neurologie, Vorsitzende der DMSG, Bundesverband e. V. und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat.
An MS erkrankte Frauen können sich ihren Kinderwunsch wie jede andere Frau ohne MS erfüllen . In Abhängigkeit von der Aktivität der Erkrankung geht es darum die bestmöglichste Immuntherapie auszuwählen, die die Krankheit stabilisiert und kein Risiko für das sich entwickelnde Kind darstellt. Die Schwangerschaft hat keinen negativen Einfluss auch nicht auf den Langzeitverlauf der MS
Es gibt keinerlei Hinweise , dass die Fruchtbarkeit von MS erkrankten Frauen im allgemeinen beeinträchtigt ist. Sinnvoll ist es den Kinderwunsch nicht zu weit hinaus zu schieben , weil nach dem 30. Lebensjahr generell die Fruchtbarkeit sinkt und Kinderwunschbehandlungen in Zusammenhang mit einer Immuntherapie eine besondere wenn auch lösbare Herausforderung sind .
Auch mit MS können Sie eine Familie gründen. Die Zeugungsfähigkeit ist nicht beeinträchtigt. Ihrer Vaterrolle können Sie trotz möglicher MS bedingter Einschränkungen gerecht werden. Besprechen Sie mit Ihrer Partnerin gegebenenfalls Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Aufgabenteilung im ersten Jahr des Kindes.
MS ist keine Erbkrankheit Wenn ein Elternteil an MS erkrankt ist besteht ein Risiko von 2 bis 3 Prozent für die unmittelbaren Nachkommen, für Söhne ist es geringer als für Töchter. Das ist gegenüber der Gesamtbevölkerung, die ein Risiko von 0,3 % hat zwar erhöht, aber man kann versuchen durch einen gesunden Lebensstil schon bei den Kindern das Risiko zu mindern. Übergewicht vermeiden, gesunde Kost mit viel Gemüse, auf ausreichend Vitamin D achten, körperliche Aktivität fördern.
Bisher gibt es keine Hinweise auf familiär gehäufte ähnliche MS Verläufe. Der Verlauf bei männlichen MS Erkrankten ist in der Regel ungünstiger als bei weiblichen MS Erkrankten. In einer Familie mit mehreren MS Betroffenen kann die MS individuell sehr verschieden verlaufen. Wichtig ist eine frühe und wirksame Immuntherapie um das Eintreten des Fortschreitens der MS unabhängig von Schüben hinauszuschieben.
MS ist keine Erbkrankheit, tritt allerdings familiär gehäuft auf. das Risiko an MS zu erkranken erhöht sich von maximal 0,3 % in der allgemein Bevölkerung auf 3 %, wenn ein Elternteil betroffen ist. Risikofaktoren wie der nördliche Breitengrad , der Ernährungs und Lebensstil beeinflussen das MS Risiko allgemein.
Man muss mit der Diagnose MS nicht die Zukunft aufgeben, vielleicht aber in die Planung eventuelle Risiken einbeziehen. Es kommt auf die Beeinträchtigung durch die MS an und die Art des Berufes, wie man mit der Diagnose das Leben weiterplant. Eine individuelle Beratung beim Landesverband der DMSG hilft Ihnen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es gibt nur wenige Berufe, die mit der Diagnose MS ausgeschlossen sind ( zb Berufspilot ). Aber alle Planungen für den BetrofBerufe,lbst und seine Familie müssen sorgfältiger erfolgen .
Das ist eine sehr individuelle Frage , die in Abhängigkeit von der Beeinträchtigung durch die MS beantwortet werden muss. Fatigue, auch motorische Ermüdbarkeit , Wärmeempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme können auch ohne sichtbare Einschränkungen die Berufsausübung erschweren. Aber es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten den Unterrichtsalltag zu erleichtern , wie ein Stundenplan mit ausreichend Freistunden zwischen den einzelnen Unterrichtseinheiten , Rückzugsmöglichkeiten in ruhige Räume , Stehhilfen .Unterrichtsräume im Erdgeschoss. Sie können sicher selbst einschätzen inwieweit Sie ihren eigenen Anspruch noch erfüllen oder ob Sie zB. Mit einer Stundenreduktion sich besser fühlen. Vielleicht hilft Ihnen ein Austausch mit MS Betroffenen in ähnlicher Situation zB auf unserer Plattform My DMSG oder in Ihrem Landesverband .
Die Auswirkungen der MS auf das Leben sind im Einzelfall nicht voraussehbar. Der Verlauf der Erkrankung ist höchst unterschiedlich . Manche MS Erkrankte sind ein Leben lang nahezu unbeeinträchtigt , andere spüren sehr schnell eine Behinderung. Mit den modernen Immuntherapie gelingt es den Eintritt der Behinderung statistisch deutlich hinauszuzögern.
Ein Studium ist mit MS selbstverständlich möglich. Lassen Sie sich beraten , welche Erleichterungen es für Studierende mit MS gibt . ( z B längere Regelstudienzeit , Erleichterungen bei Prüfungen usw.) . Individuelle Beratung bieten die Landesverbände der DMSG an.
Jede chronische Erkrankung kann sich auf Stressfähigkeit ,Stimmung und soziales Verhalten auswirken. Wenn solche Veränderungen auftreten sollten die Betroffenen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.
Das ist nicht pauschal zu beantworten. Über das Risiko von Nebenwirkungen der Immuntherapien können Sie sich in den Patientenhandbüchern der DMSG informieren. Generell ist aber festzustellen , dass die heutigen Immuntherapien ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil haben. Auch die Auswertung von großen nationalen Datenbanken hat dies bestätigt. Schwerwiegende Nebenwirkungen können allerdings in seltenen Einzelfällen , wie bei anderen Medikamenten auftreten.
Leider gibt es nach wie vor kein gesichert wirksames Medikament gegen Fatigue. Die Versuche mit stimulierenden Medikamenten hatten bei Fatigue nicht den erwarteten Erfolg, so dass es auch keine zugelassene medikamentöse Behandlung gibt
Wichtig ist ausreichender regelmässiger Schlaf und ein gut geplanter Tagesablauf mit den erforderlichen Pausen zur Erholung.Ihr Arbeitsumfeld sollte störungsfrei sein Auch sportliche Aktivtäten können bei Fatigue helfen.
Das ist manchmal sehr schwierig der Umgebung zu vermitteln . Die Wahrnehmung hat sich allerdings in den Jahren nach Corona verändert, da weil über das chronische Fatigue Syndrom nach Corona berichtet wird. Fatigue ist ein unsichtbares Symptom und Betroffene müssen offen damit umgehen.
Das ist eine sehr persönliche Erfahrung , da gerade MS Erkrankte in den letzten 30 Jahren, seitdem es zunehmend wirksame den Verlauf beeinflussende Therapien gibt,sehr engagiert von den Neurologen betreut werden.Unser Gesundheitssystem stellt MS Erkrankten den Zugang zu allen zugelassenen Medikamneten und Rehabilitataionsmassnehman zur Verfügung. Vielleicht kann die Beratungsstelle Ich.es Landesverbandes der DMSG bei Ihrem persönlichen Problem helfen
Die Lebenserwartung von MS Erkrankten ist weitestgehend normal, so dass Sie das Aufwachsen Ihrer Kinder wie alle anderen elteren auch begleiten können.
Im Prinzip ja , es sei denn Sie sind in Ihrem Beruf ist durch etwaige körperliche Einschränkungen gefährdet.
Ihr Artbeitgeber hat kein Anrecht Ihre Diagnose zu erfahren. Es gibt allerdings spezielle Berufe, wo Sie verpflichtet sind den Arbeitgeber zu informieren. Im Einzelfall kann es durchaus hilfreich sein mit dem Arbeitgeber über die Diagnose zu sprechen. Ich empfehle auch hier sich beim Landesverband der DMSG beraten zu lassen
Jenseits des 50 zigsten Lebensjahres kommt es in den meisten Fällen zu einer schleichenden Zunahme der Behinderung. Aber auch mit zunehmenden Lebensalter können sich bei jedem sogenannte Alterskrankheiten wie Herzkreislauferkankungen, Altersdiabetes, Osteoporose, Gelenkveränderungen einstellen. Wichtig ist hier vorzubeugen und die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen ernst zu nehmen.
Hormonelle Veränderungen haben vielfältige Folgen, die auch Symptome der MS beeinflussen können. Verstärkte Erschöpfbarkeit, Antriebsstörungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und andere typische Wechseljahrsbeschwerden sind bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Inwieweit eine Hormonersatztherapie auch den Verlauf der MS beeinflusst ist abschliessend noch nicht geklärt.
Hierzu eine generelle Aussage zu machen ist nicht möglich. Im Prinzip gilt statistisch, dass bei einem schubförmigen Verlauf und einer wirksamen Immuntherapie im Mittel nach 10 jahren Krankheitsdauer noch eine gute Beweglichkeit besteht.
Auch im Alter ist die Immuntherapie wirksam, wie eine neue Studie bei der man die Immuntherapie beendet hat im Vergleich zur Fortführung gezeigt haben. Die Immuntherapie hängt vom individuellen Verlaufstyp ab. Wichtig ist das Sie zusätzlich auf ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung achten und Vorsorgeuntersuchungen bezüglich Alterserkarnkungen wahrnehmen.
Mögliche zukünftige Einschränkungen hängen von vielen Faktoren ab und daher ist diese Frage nicht generell zu beantworten.
Diese Frage stellen sich auch viele Menschen ohne MS. eine allgemeine Antwort ist hier sehr schwierig. Wichtig ist sich die Frage zustellen, wie möchte ich im Alter leben, wenn ich Hilfe brauche. Ein Austausch zu dieser Frage mit anderen MS Betroffenen kann hier Antworten geben.
Die Diagnose MS stellt die Fahrfähigkeit nicht grundsätzlich in Frage. Wenn Sie selbst aber unsicher sind, können Sie sich auf Ihre Fahrfähigkeit testen lassen.
Da gibt es sehr viele unterschiedliche Angebote, deren Wirksamkeit in Studien nicht nachgewiesen ist.
Heute kann man insbesondere die schubförmige MS sehr gut behandeln aber nicht heilen. Wichtig ist weiterhin nach der Ursache zu forschen
Die aktuelle Forschung richtete sich auf das Ebstein Barr Virus ,das bei Menschen mit wahrscheinlich erblichen Risiko für MS , der Auslöser sein könnte . Ob man durch eine Impfung dieses Risiko ausschalten kann , daran wird weltweit geforscht.
Da ist die Situation heute glücklicherweise schon wesentlich besser als vor 20 Jahren. Die DMSG hat sich ganz wesentlich dafür eingesetzt über MS aufzuklären und offen mit der Diagnose umzugehen. Es hängt aber sicher immer noch vom jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld ab, wie offen man mit dieser Diagnose umgehen kann .
In wieweit diese im wesentlichen als Anti aging Therapie beworbene Behandlung auch bei der MS Nutzen haben könnte, ist aktuell nicht zu beantworten.
In den von der DMSG anerkannten Praxen für MS sollte das eigentlich gewährleistet sein , da eine solche enge Zusammenarbeit gefordert ist
Dia Diagnose MS ist leider nicht mit einer Laboruntersuchung zustellen. Deshalb müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Wichtig ist ein typische MRT Befund unterstützt von einer speziellen Befund in der Rückenmarksflüssigkeit und der Auschluss anderer ähnlicher Erkrankungen.
Das ist nicht ganz allgemein zu beantworten. Auch mit MS möchten nicht alle Menschen Hilfe angeboten bekommen, sondern bevorzugen ein ganz normalen Umgang. Achten Sie auf etwaige Signale seitens Ihrer Kollegin um zu erkennen, ob sie Unterstützung möchte.
